LUZIFER BEI DER INKARNATIONSBERATUNG

Luzifer bei der Inkarnationsberatung

geschrieben von Steven Black:

Sternzeit 3976543281, irgendwo “da oben” –  Konzil der göttlichen Inkarnationsberatung.

Entspannt ging die Vorzimmer Sprecherin in den Warteraum und fragte: “Wer ist der Nächste bitte?” “Ich, Süße”, sagte ein breitschultriger, ziemlich groß gewachsener Mann, der Cowboystiefel trug und lange Haare hatte.

“Ich bin nicht ihre Süße. Haben Sie überhaupt einen Termin?” fragte sie pikiert. “Nein Süße, hab ich nicht. Ich will aber sofort den Typen vom Dienst sprechen!”

“Erstens habe ich einen Namen, ich bin Rachel. Zweitens, ohne einen Termin können Sie hier sicher nicht rein. So einfach ist das. Wer glauben Sie, wer sie sind, hier einfach reinzuschneien und Sonderwünsche zu reklamieren?”

Der große Mann bekam eine etwas zornige, leicht schon bläulich anlaufende Gesichtsfarbe und grollte: “Okay Süße, ich will es ganz easy für dich machen. Entweder, ich kann jetzt sofort Aragon sprechen oder ich werde eure verdammte Bude auf der Stelle einstampfen. Sag ihm, Luzifer ist hier und es sei dringend.”

Rachel blieb erst mal die Luft weg. Luzifer! Hier. Das gab’s noch nie. Eine Mischung rasch abwechselnder Gefühle stiegen in Rachel auf, die eine zwiespältige Mischung von Ehrfurcht, Widerwillen und Abneigung war. “Ich, ich, ich schau mal nach, ob er Zeit hat”, stammelte sie, unfähig ihre Überraschung zu verbergen.

“Schon gut, Rachel. Natürlich hab ich Zeit für diesen seltenen Gast. Sie können einstweilen Pause machen.” Das als Aragon bekannte Wesen, stand in der offenen Türe und blickte neugierig in Richtung Luzifer. “Hi Luzi, lange nicht mehr gesehen”, sagte er freundlich. “Wie lange ist das her, etwas zwischen 100 und 200 000 Erdenjahre? Ich habe irgendwann zum zählen aufgehört.”

“Es waren genau 300 000 Jahre, 3 Monate und 12 lange Tage. Und spar dir das Luzi, ich bin nicht in Stimmung dafür.” schnaubte Luzifer. Aber er folgte Aragon bereitwillig in den angrenzenden Raum, wo sich beide auf großen, gemütlich aussehenden Sessel niederließen. Aragon musterte sein gegenüber neugierig, grinste und fragte, “kann ich dir was anbieten? Whiskey, Zigarre oder ein paar heiße Frauen?”

“Sehr witzig”, antwortete Luzifer säuerlich, konnte sich aber dem legendärem Charme von Aragons Humor nicht ganz entziehen. “Hör zu, lass uns gleich direkt zum Thema kommen, mir ist momentan echt nicht nach Spaß.”

“Wie wäre es dann mit n paar Glückspillen?”, fragte Aragon schelmisch. Wieder ernst werdend, fügte er hinzu: “In Ordnung”, wo drückt denn der Schuh? So kenne ich dich gar nicht, muss ich mir Sorgen machen?”

Luzifer zog die breiten Schulter hoch und nahm einen tiefen Atemzug. “Es fällt mir wirklich nicht leicht, aber nach Abwägung aller Umstände, bin ich zu der Entscheidung gelangt, dass ihr euch jemand anderen suchen müsst, der meinen Job macht. Ich bin fertig damit, ich habe so was von die Schnauze voll, also bitte ich dich, bring es dem Alten schonend bei.”

Es gab nicht viel, was Aragon überraschen konnte. Doch jetzt war er definitiv geschockt. Luzifer wollte aussteigen und ersetzt werden? Was war passiert, drehte sich das Universum plötzlich andersherum? Ganz ruhig, sagte er sich, entspann dich. Lass uns erst mal rausfinden, was hier Sache ist. Er wechselte seine Sitzposition, straffte die Schultern und strahlte umgehend eine nüchterne, professionelle Atmosphäre aus. Das wird wohl nichts mit dem gemütlichen Tag, seufzte er innerlich.

“Also gut, Luzi. Ich hab dich gehört. Wir kennen uns lange genug, dass du weißt, du kannst mir alles erzählen – und ich meine wirklich, wirklich alles. Also fühle dich frei, mir von den Gründen deines Sinneswandels zu erzählen. Ich will zumindest wissen, warum “Luzifer, der Schrecken der Erde”, hier angelaufen kommt und plötzlich Anzeichen von Posttraumatischen Stresssymptomen zeigt. Ich denke, du verstehst sicher, dass dies eine sehr ungewöhnliche Situation ist und bevor ich dem Alten irgendwas erzähle, möchte ich wenigstens wissen, was zum Henker ich ihm sagen soll.”

Luzifer nickte wissend und mit nachdenklichem Blick, formulierte er seine Antwort:

“Schau, ich weiß jetzt schon, dass du versuchen wirst, mir das auszureden und der Alte wird es erst recht versuchen. Ich will uns Zeit sparen, indem ich dir versichere, dass diese Entscheidung steht, ich werde sie keinesfalls rückgängig machen. Aber ich werde dir genau sagen, warum und wieso. Danach wirst du mir vielleicht zustimmen, vielleicht auch nicht – aber ändern wird das nichts. Meine Entschluss ist nicht verhandelbar”.

Aragon antwortete ernst: “Dir ist aber schon klar, dass die gesamte Erdenschöpfung mit dir steht oder fällt? Der “freie Wille” ist dein Werk, ohne dich würde es diese Schöpfung so nicht geben. Das war von Anfang an deine Verantwortung, dein “Job” und hat sich bisher auch nicht geändert. Wenn keine Luzifer Energien vorhanden sind, dann können wir dieses Experiment begraben.“

“Komm mir nicht auf diese Tour, Aragon. Versuch mir nicht einzureden, dass ich nicht ersetzbar wäre. Jeder ist ersetzbar – okay, außer dem Alten vielleicht.” Luzifer räusperte sich laut: “ Die schlichte Wahrheit ist, ich kann nicht mehr. Ich mach das jetzt schon viel zu lange. Ich bin wirklich sehr, sehr geduldig gewesen, mit dieser Art von Schülern. Aber ich halte diese permanente Ablehnung, Schuldzuweisungen und vor allem Leugnung der eigenen Verantwortung nicht länger aus. Meine Geduld ist am Ende, es geht mir total auf die Eier. Ich meine, mir ist absolut bewusst, dass es genau mein Job ist als Projektionsfläche für derlei Schuldzuweisungen zu fungieren – aber das war eher als “Nebentätigkeit” gedacht. Mein wirklicher Job war es, die als Menschen inkarnierten Seelen zur Eigenverantwortung zu bringen, wobei sie ihre wirkliche Macht, ganz real und im Fleisch erkennen könnten.

Es war von Anfang an klar, dass Leugnung, Verzerrung und Verwirrung auf der normalen Tagesordnung stehen würde. Das fing schon mit den zwei alten Säcken, Adam und Eva an. Ich erzählte ihnen, dass sie irgendwann sterben würden. Was machten sie daraus? Oh weh, wir sind aus dem Paradies gefallen! Ihre Schuldgefühle übernahmen und die erste Reaktion war Leugnung und Schuldabwehr für die Erkenntnis. Adam beschuldigte Eva, Eva beschuldigte die Schlange – also mich, aber keiner akzeptierte die erhellende Wahrheit. Sicher, die Schlange als gewählte Form, um dieses Gartenzwergbewusstsein anzusprechen, war nicht grad mein originellster Einfall. Egal, anstatt sich jedenfalls dem Wert bewusst zu werden, was es bedeutet, nur auf eine bestimmte Zeit, bestimmte Erfahrungen machen zu dürfen, leugneten sie es und versuchten es zu verdrängen. Und mit Bewusstwerdung haben die da unten heute noch ein extremes Thema. Nein, geh weg, die Wahrheit will ich nicht fühlen, will ich nicht hören, blablabla.

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Und Schuld ist grundsätzlich immer ein anderer, vorzugsweise ich. Als ich als nächstes herging und einigen Leuten nahelegte, wie sie sich Werkzeuge bauen konnten, um sich selbst zu helfen – was passierte? Anstatt dankbar zu sein, dass sie nun die Möglichkeit hatten, um vor Wettereinflüssen geschützt zu sein, indem sie Unterkünfte bauen, bessere Jäger sein konnten und einfach mehr Sicherheit in ihr Leben einziehen, gab’s ein großes Geschrei, weil einige sich mit den Werkzeugen verletzten. Klar, der böse Luzifer ist Schuld und ruck zuck bewegten sie sich zurück auf Square One und fingen wieder an, Gott um Hilfe anzuflehen.

Als ich ihnen sagte, hört auf damit, der kann euer Gejammer nicht hören, weil er zu weit weg ist. Besinnt euch lieber darauf, euch selbst zu helfen – da waren die ersten Reaktionen, dass ich ein Feind von Gott wäre – sein Widersacher. Sie lehnten dann die Werkzeuge als böse ab und beteten täglich darum, dass ihnen Gott Unterkunft, Nahrung und Überleben sichern sollte. Als Gott ihnen offensichtlich nicht antwortete, fanden sie die Ursache schnell heraus: Ja, Gott antwortete nicht, wegen Luzifer! Die Werkzeuge nahmen sie erst wieder in die Hand, als sie knapp vorm verhungern waren. Ich meine, hey, wie dumm kann man sein? Meine Güte, ihr habt alle keine Ahnung, wie viel Frust ich seit Jahrtausenden mit mir herum trage und wie viele meiner Haare ich mir täglich ausreiße.”

Aragon verstand zumindest eines, wenn auch sonst nichts. Luzifer war nicht mehr der Luzifer, den er kannte und den jedermann respektierte, wenn ihn auch nicht jeder mochte. Jeder wusste, dass Luzifer dieser Job eigentlich Spaß machte. Über dieselben Probleme machte er früher lustige Witze, aber heute klang es mehr nach Verbitterung. Er seufzte innerlich und dachte – das wird echt nicht einfach werden.

“Luzifer, um ganz ehrlich zu sein, ich verstehe immer noch Bahnhof. Ich habe bis jetzt nichts gehört, was aus dem üblichen Rahmen fallen würde. Muss ich dich daran erinnern, dass eine freie Wahl nach dualistischen Prinzipien DEINE Idee war, die du, wie ich hinzufügen möchte, eigenständig und gegen alle anderen Ideen durchgesetzt hast? Und zwar durch die Hintertüre, ohne offizielle Anhörung der Gremien. Du wusstest nämlich genau, dass diese Idee auf wenig Gegenliebe stoßen würde. Und jetzt, nachdem du selbst Zeuge geworden bist, warum es diesbezüglich Bedenken gab, möchtest du einfach den Kopf in den Sand stecken und die Idee als gescheitert betrachten? Ist das eines Engels der kosmischen Revolution würdig? Nein, da erwarten wir schon ein bisschen mehr von dir ..  “

“Behalte deine Moralpredigt, niemand muss mich an meine Verantwortung erinnern”, antwortete Luzifer zornig. Sein Energiefeld schwoll an und schwarz-goldene Flammen zuckten um seine Form.

“Halt deine Klappe”, schnappte Aragon. “Was ich versuche dir klarzumachen ist, dass wir im Grunde alle beeindruckt sind, wie richtig deine ursprüngliche Idee war und dass wir alle voll hinter dieser Idee stehen. Niemand hat dir damals geglaubt, als du sagtest, Einheit wäre nicht genug und dass es Einheit UND Dualität bräuchte, um eine Entwicklung anzustoßen, die bisher niemand wagte ins Auge zu fassen. Der Einzige, den du überzeugen konntest, war der Alte, aber er konnte die Idee nicht ohne Billigung von uns anderen umsetzen. Und weil er die nicht bekommen konnte, bist du ins Spiel gekommen, aus vollkommen freien Stücken, weil du an deine Idee geglaubt hast. Du bist der erste gewesen, der begriffen hat, dass die Einheit zur Stagnation weiterer Entwicklungen führt. Inzwischen haben alle verstanden, was du uns für einen Dienst erwiesen hast. Die menschliche Rasse ist die erste und einzige Spezies, wo die Seelen lernen können, mit Einheit und Trennung umzugehen. Wir gedenken dieses Modell, in anderen Schöpfungen einzubauen, so erfolgreich wurde es. Also tu mir bitte einen Gefallen und hör auf dich zu bemitleiden! Es gibt dafür keinen Grund.”

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“Wow! Habe ich grade richtig gehört?”, fragte Luzifer erstaunt. Hast du grade tatsächlich gesagt, ich meine, nach jetzt 300 000 verdammten Jahren, ihr glaubt dass die Idee gut war?” Er brach in schallendes Gelächter aus und meinte: “Oh, diese Ironie! Ich kann es kaum glauben. Weisst du, Aragon, ich glaube, du verstehst nicht, wovon ich wirklich spreche, also lass es dir erklären. So sehr ich es schätze zu hören, wenn auch etwas spät, dass ich richtig lag – aber das ist nicht der Punkt. Ich bin mir sehr bewusst, dass ich richtig gelegen habe und glaube auch heute noch an diese Idee.”

“Aber”, wandte Aragon ein  ..

“Jetzt bist du dran, deine Klappe zu halten”, meinte Luzifer. “Lass mich erst einmal ausreden, dann kannst du was dazu sagen.” Nachdenklich sammelte er seine Gedanken, blickte dann Aragon direkt und abschätzend in die Augen. Aragon schien einer der wenigen zu sein, der seinen Blick aushielt und gelassen erwidern konnte. Das waren nicht viele, die das schafften. Okay, dachte er. Neuer Versuch ..

“Also gut, wo war ich – ah, okay, ich weiß. Ich erzählte von ganz am Anfang, auf der Erde. In Ordnung, mein Fehler. Das war vielleicht etwas unpassend, weil es nicht den Nagel am Kopf trifft. Worauf ich hinaus will, ist folgendes: Glaub mir, die letzten 300 000 Jahre waren nicht einfach, aber ich hatte bislang kein wirkliches Thema damit. Es ist auch auch viel lustiges passiert. Hey, ohne mich würde es nicht diese Religionen geben, deren wichtigster Bestandteil – Luzifer imitierte Donnergrollen in seiner Stimme – “der Widersacher Gottes” ist. Meine Güte, was habe ich viel gelacht.”

“Das ist der Luzifer, den ich kenne”, warf Aragon schmunzelnd ein.

“Ja, wie gesagt, auch wenn da unten keiner checkt, dass Religion nichts mit Gott, whatever, etc., zu tun hat, sondern mit der Bildung von einer Gemeinschaft, habe ich sogar Michael einen Job in dem Business verschafft. Der arme Kerl ist heute noch damit beschäftigt, sich all das Gejammer, die Klagen reinzuziehen und die vielen Bitten um Hilfe, die – wie wir alle wissen, niemand erfüllen kann. Also ist der einzige Job, den Michael und seine Geflügeltruppe  ausüben kann, die Trostseelsorge. Keine Ahnung, wie er das aushält, mich würd das wahnsinnig machen. Im Grunde habe ich bereits ein paar mal daran gedacht, die Religionen wieder abzuschaffen. Ihr Nutzen ist nur mehr minimal. Wäre da nicht die Tatsache, dass die jüngeren Seelen weiterhin organisierte Religion brauchen, hätte ich das ernsthaft durchgezogen.

Für die älteren Seelen wird Religion nämlich ein verwirrendes Hindernisrennen. Guck dir doch mal den Schwachsinn an, von wegen der “Kampf des Lichtes gegen die Dunkelheit” – of course, ihr gegen mich. Das finde ich heute noch witzig. Die checken einfach nicht, dass das alles nur Projektionen ihres eigenen Geistes sind. Ihrer eigenen Trennung von sich selbst und des Krieges in ihrem Inneren, der zwischen ihren Licht – und Schattenseiten läuft. Aber diese Art von Trennung war natürlich die ursprüngliche Intention, mir war nur nicht klar, was für extreme Auswirkungen das haben würde.”

“Das bleibt alles schön so, wie es ist. Weil es genau richtig ist, so wie es ist. Stimmt, das war ein Geniestreich, die Leute da unten, unter ein Glaubenssystem zu vereinen. Das fand auch der Alte genial. Was Michael betrifft, der macht seinen Job sehr gut. Die Trostebene ist wichtig zu bedienen, wenn der Mensch keinen anderen Anker mehr hat. Michael nimmt das Ernst, du nicht. Dein Job ist auch ein anderer, du tretest Menschen in den Arsch und willst sie weiterbewegen. Dein Arbeitsfeld ist Selbstmeisterschaft und Selbstermächtigung. Beides hat seine Berechtigung, da ist natürlich kein Punkt mehr, Leuten in den Arsch zu treten, die schon auf ihrem Arsch sitzen. Also macht Michael einen wichtigen Job.” sagte Aragon.

“Ja, ja, danke für die Belehrung. Doch so sehr das aufwärmen alter Geschichten erheiternd ist – wie erwähnt, alles lief mehr oder weniger nach Erwartung, bis das Konzil vor wenigen Jahren, in seiner “unergründlichen Weisheit” beschlossen hat, in dieser Schöpfung aufs Gas zu treten und einige Schleier beiseite gezogen hat.”

“Du hast das nicht gut gefunden?”, fragte Aragon.

“Doch, verdammt, zuerst fand ich es als eine unglaublich gute Idee und es kam eindeutig meiner Ungeduld entgegen, die Dinge zu beschleunigen. Doch, ich fand es sehr gut. Das Problem ist, es ist nicht gut geworden! Tatsächlich finde ich, hat es vieles verschlimmert!”

“Wie meinst du das? Es läuft doch recht gut nach Plan, zumindest rechtfertigt es die Beschleunigung”, meinte Aragon.

“In was für einer Traumwelt lebt ihr eigentlich”, brauste Luzifer auf. Seht ihr denn nicht, dass die Verwirrung sich potenziert hat und die Verleugnung der Realität sich verzehnfachte? Tatsächlich meistern nur wenige die Herausforderung, aber die große Mehrheit möchte am liebsten einfach nur “die gute alte Zeit” zurück. Inzwischen weisen viele jede Art von euren Channelings zurück und rate mal, wer wieder die Schuld bekommt, weil es nicht so läuft, wie sie angenommen haben?” Luzifer parodierte einen Trommelwirbel, “Tada – klar, ich, der alte Bösewicht und seine Schergen. Von Bewusstwerdung und Eigenverantwortung sieht man nur sehr wenig.”

Konsterniert beobachtete Luzifer, wie Aragon vor ihm in lautes Gelächter ausbrach. “Was ist daran so lustig, du Schlaumeier?”

“Was daran lustig ist, fragt er.” Aragon krümmte sich vor Lachen und konnte sich kaum einkriegen. “Ahhahahahaha, ich brech ab. Alter, dir entgeht vollkommen die Absurdität der Situation. Ich sehe mich schon, wie ich dem Alten das erkläre: Aragon veränderte seine Stimme zu einem verschwörerischen Flüstern: “Du, ich glaube, wir müssen Luzifer in Frührente schicken. Ich befürchte irgendwelche geheimen Mächte haben ihn entführt und einer Gehirnwäsche unterzogen. Der Arme ist ganz aus dem Häuschen und begreift mittlerweile nicht mehr das Konzept, dass Entwicklung einfach Zeit braucht. Vielleicht sollten wir einen neuen Job für ihn ins Auge fassen. Vielleicht als Beobachter der Sonne oder Fensterputzer auf dem Mond. Da kann er eine ruhige Kugel schieben und braucht sich über nichts mehr aufregen.”

“Mach dich gefälligst nicht über mich lustig, das ist es nicht”, schnappte Luzifer.

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“Doch, mein Freund. Das ist es. Es ist unglaublich komisch”, kicherte Aragon. “Versuch das mal mit meinen Augen zu sehen. Da steht Luzifer, der Erzengel der kosmischen Revolution vor dir, ein Wesen, dessen Ruf in diesem Universum einen ehrfurchtgebietenden Klang hat und da erzählt der dir, “OhGottohGottOjemine”, dass er vom eigenen Glauben abgefallen ist und kein Vertrauen mehr hat, dass die Entwicklung schon seinen rechten Gang gehen wird.

Hast du etwa geglaubt, dass die vielen Glaubenssätze, die man auf der Erde einfach entwickelt, innerhalb kürzester Zeit verschwunden wären? Oder hast du vielleicht erwartet, dass diese Entwicklung einfach jeder begrüßen würde und ruck zuck Erleuchtung überall geschieht? Komm schon, wenn das möglich wäre, dann wär das längst passiert. Nein, mein Junge, jeder einzelne da unten, jede einzelne Seele muss sich da selber hindurch wursteln. Das ist dann tatsächlich eine Entwicklung, man kann so was nicht “verschenken”, dann wäre es keine Entwicklung mehr und hat auch keinen Wert an sich. Es wird einige Generationen dauern. Du solltest das besser verstehen, wie jeder andere.

Habe ich irgendwas vergessen? Luzi, mach mal nen Realitätscheck. Glaub mir, wenn ich das dem Alten erzähle, liegen wir uns Tränen lachend in den Armen. Ich denke langsam, du schiebst hier nur Ausreden vor dir her. Hör also auf meine Zeit zu vergeuden und rück die Tatsachen raus.”

Nun war es an Luzifer, innerlich zu seufzen. Er war in der irrigen Hoffnung hierhergekommen, dass er sich um die Wahrheit herumreden könnte. Einer Wahrheit, die er sich selbst ungerne eingestand. Richtig, er war das älteste, stärkste und durchsetzungsfähigste Wesen, in diesem Universum. Viele Mythen rankten sich um seine Taten, seinen Mut und die Tatsache, dass er dem Konzil und dem Alten, einst die Stirn bieten konnte. Neu war für ihn nun die Tatsache, dass selbst er Grenzen hatte und nicht unendlich viel aushalten konnte. Er atmete tief durch – was solls, dachte er. Ich schmeiß ihnen das jetzt einfach vor die Füße ..

“Es stimmt, ich hab n paar Sachen vorgeschoben, die – wie ich einsehe, nicht grade überzeugend klingen. Aber richtig ist nach wie vor, dass ich diesen Job – zumindest im Moment, nicht mehr länger machen kann.”

Aragon lehnte sich vor – “wie stellst du dir das vor? Deine Energie ist mit jeder DNS, aller inkarnierten Seelen verbunden. Wäre dem nicht so, du hättest keinen Einfluss da unten. Wir können das nicht einfach so zurückziehen, das wäre eine Katastrophe.”

“Siehst du, das ist exakt der Punkt. Es geht genau um diese “DNS Sache, die ist nämlich keine Einbahnstraße. Von jedem Träger der Luzifer Energie, also jeder inkarnierte Seele, fließen Energien, die mit den Meisterschaftsthemen zusammenhängen, wieder zu mir zurück. Also habe ich es ständig mit schweren Energien zu tun, die ich persönlich tragen muss. Du weisst schon, emotionaler, geistiger und seelischer Schmerz. All die verklebten Energien, die mit der Leugnung von Lust, Leben und der Existenz an sich zusammenhängen. Angst, Hass, Wut, Neid, etc. Ich rede hier nicht von ein paar älteren Seelen, bei denen es für ihre weitere Entwicklung, zumindest eine Zeitlang, wichtig ist sich zurückzuziehen, um sich neu zu rekalibrieren. Da spielt nun wirklich das 2012 Thema eine Rolle, weil der Rückstau all dieser Energien sich auf eine Weise vervielfältigt hat, wo ich nun einsehen muss, dass ich das nicht weiter tragen kann.

Die pure Wahrheit ist, ich kann es nicht mehr. Ich scheine ein persönliches Limit erreicht zu haben. Mein Problem ist, dass ich diese rückfließenden Energien in mein Energiefeld integrieren und klären muss, bevor ich meine Energie wieder in deren DNS zurückkanalisieren kann. Die Realität ist, ich komme nicht mehr mit der Klärung hinterher. Es staut sich immer mehr und es fällt mir schwer, zugeben zu müssen, dass ich dadurch meinen Job nicht mehr korrekt machen kann. Die Luzifer Energie wird so zur Belastung, das kann ich nicht hinnehmen. Was wiederum bedeutet, dass von eurer Seite aus, irgendwas unternommen werden muss. So kann es auf keinen Fall weitergehen, ich fühle mich schon wie eine Müllkippe .. “

Aragon musste erst mal seine Gedanke ordnen. Das war ernsthaft. Und damit hatte er nicht gerechnet. “Tut mir leid, Luzi. Ich weiß momentan nicht, was ich dazu sagen soll und Lösung fällt mir dafür auch keine ein. Ich kann es aber auch nicht Gegenargumentieren. Das beste wird sein, ich informiere umgehend den Alten. Das scheint nun doch ernster zu sein, als gedacht. Das geht eindeutig über meine Gehaltsstufe – würde ich ein Gehalt bekommen.”, fügte er sarkastisch hinzu.

“Mach das, aber ohne mich. Ich will eigentlich nicht anwesend sein, wenn du mit ihm sprichst.”

“Zu spät, mein Junge.”, dröhnte eine Stimme, die von nirgends und überall zu kommen schien. Eine mächtige, uralte Energie erfüllte den Raum mit ihrer Präsenz. Deswegen hieß er überall nur “der Alte”. Wer jemals diese Energie in seiner Gegenwart spürte, würde die kosmischen, zeitlosen Äonen der ewigen Existenz fühlen können, die davon ausstrahlte. Aragon und selbst Luzifer, hielt in dessen Anwesenheit kurz den Atem an. Es war nahezu unmöglich, sich dieser Energie zu entziehen. Sie gab einem sofort das Gefühl, dass alles, wirklich alles in Ordnung war.

“Ich habe schon länger zugehört und nur darauf gewartet, bis Aragon dir den Popel aus der Nase gezogen hat. Ich wollte warten, bis du bereit warst, dein Eingeständnis mit Aragon zu teilen. Es war wichtig, dass es aus dir selbst gekommen ist. Aber das hat ja echt gedauert”, gluckste die Stimme fröhlich.

“Du hast also zugehört”, sagte Luzifer niedergeschlagen.

“Ja, ich habe zugehört. Ich weiß genau, wie schwierig es für dich gewesen ist, mit deinem Anliegen hierherzukommen. Auch wenn du glaubst Unbesiegbar zu sein, jeder hat seine Grenzen. Betrachte das nicht als eine Schwäche, denn das ist es nicht. Es demonstriert nur, dass du noch immer ein empfindsames Wesen bist. Keine Sorge”, schmunzelte er, “wir werden es nicht weiter erzählen” ..

In einem mehr geschäftsmäßigen Ton, sprach “der Alte” weiter: “Ich habe seit längerem damit gerechnet, eigentlich erwartete ich schon viel früher, dass es passiert. Das spricht Bände für deine Nehmerqualitäten, aber hier sind wir nun und du hast Recht. Etwas muss getan werden.”

“Okay”, sagte Aragon. “Aber was? Wir können Luzifer seinen Wunsch nicht stattgeben, er kann nicht einfach “aufhören”. Das geht nicht.“

“Jungs, es gibt nichts, was nicht geht. Es muss nur ein konstruktiver Weg dafür gefunden werden. Und ich habe bereits einen gefunden. Nummer eins: Luzifer bekommt eine Auszeit, um sich zu erholen. Nummer zwei, wir werden einen “neuen Luzifer” installieren. “

“WAS?” Luzifer und Aragon waren beide schockiert und überrascht.

“Es ist einfacher, als ihr beide glaubt. Aragon hatte Recht, als er sagte, dass deine Energie ein unbedingt notwendiger Bestandteil dieser Schöpfung und des Inkarnaionskreislaufes ist. Das könnte nicht mal ich ändern. Okay, ich könnte schon, aber dann müsste alles wieder zurück auf Anfang gesetzt werden und darauf habe ich nun wirklich keine Lust. Nein, wir machen das anders. Es mag euch vielleicht überraschen, aber es gibt mittlerweile viele Wesen, die nur zu gerne, für eine bestimmte Zeit Luzifer auf der Erde spielen würden. Es spielt hierbei keine Rolle, dass die gar nicht wissen, wie schwierig das ist. Aber so haben die eine neue Lernkurve zu meistern und du Luzifer, bis dein Problem los. Luzifer wird ab sofort kein Wesen mehr sein, sondern ein Titel, der auf absehbare Zeit getragen werden kann. Jeder der möchte, darf einmal Luzifer sein.”

“WOW!”, sagten beide gleichzeitig. Die Eleganz und Einfachheit dieser Lösung, beeindruckte sie zutiefst.

“Luzifer, mein Junge, du überträgst einfach dem jeweiligen Titelträger deine Energien, indem du sie duplizierst. Sie müssen dann lernen, damit zurechtzukommen. Ich bin gespannt, ob nach ein paar Runden, immer noch so viele Luzifer sein möchten .. “ lachte der Alte. “Aber vorerst sollte das unser Problem lösen.” Der Alte sendete Informationen in Luzifers Feld und sagte: “Da ist eine transluminale Seele aus dem kausalen Erfahrungsspektrum, die es kaum abwarten kann, dass du sie aufsuchst und bezüglich deiner Tätigkeit instruierst. Ich schlage vor, du gehst gleich zu ihr und klärst die Einzelheiten, damit die Dinge in Bewegung kommen.”

Luzifer löste sich aus dem Sessel, nickte Aragon dankend zu und drehte sich in Richtung Türe.

“Luzifer”, rief der Alte.

“Ja, ist noch was?”

“Ja, ich möchte dir sagen, dass es mich sehr gefreut hat, nach so langer Zeit, dich wieder zu sehen.”, sagte der Alte, mit Wärme in seiner Stimme.

“Mich auch, wirklich”, antwortete Luzifer, der wie ein frisch geprägtes Geldstück strahlte. Und husch, weg war er.

Aragon blickte ihm nachdenklich hinterher, versunken in seinen eigenen Gedanken.

“Ist er weg”, fragte der Alte leise.

Aragon nickte. “Ja, er ist gegangen.”

“Ganz sicher?”

“Ja, ganz sicher.”

“Puh, also das lief doch ganz gut, meinst du nicht?”

Aragon hatte keine Ahnung, worauf der Alte hinaus wollte. Also nickte er nur vage.

“Du wunderst dich wahrscheinlich, warum ich solch einen Zug gemacht habe. Die Wahrheit ist, mir blieb nichts anderes übrig. Wir beide wissen ganz genau, dass einen Luzifer niemand wirklich ersetzen kann. Es wird also zu Problemen kommen, die wir jetzt noch nicht kennen. Sicher, man hätte ihn zwingen können, in eines unserer Klärungszentren zu gehen und ihn dann wieder zurück zur Arbeit zu schicken. Aber weisst du, Luzifer wäre ohne weiteres in der Lage, eine zweite Revolution zu starten, wenn er seinen Willen nicht bekommen hätte. Gut, vielleicht auch nicht, aber dieses Risiko wollte ich nicht eingehen.

Ich liebe den Jungen, aber er ist unberechenbar – auch heute noch. Glaub mir, so ist es am besten. So wie ich ihn kenne, hat er nach n paar Tausend Jahren genug und er langweilt sich wieder. Wir werden die Luzifer Jobrotation auf 1000 Jahre, pro neuen Anwärter begrenzen. Das sollte den Schaden etwas im Rahmen halten. Ich hoffe, die Kinder da unten, werden damit klarkommen.”

Aragon blieb nicht viel anderes übrig, als zustimmend zu nicken. Niemand konnte einen durchdrehenden Luzifer brauchen. Das einmal zu erleben, reichte vollkommen.

Trocken sagte er: “So viel also zum “allmächtigen Gott”.

Beide stimmten in ein lautes und herzliches Gelächter ein ..

Until next time same station ..

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@Steven Black

Alle selbst geschriebene Artikel auf meiner Website dürfen bei Nennung des Autors und Linksetzung der Website, gerne kopiert und weiterverteilt werden. Ausgenommen davon sind gewerbliche Interessen, wie etwa einen dieser Artikel in diversen Medienpublikationen zu veröffentlichen, dies bedarf der Genehmigung des Autors.

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Author: Federico

ciao ;)

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